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Fridericus Rex (1921/22)
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Fridericus Rex ist ein vierteiliger, deutscher Historienfilm aus den Jahren 1921 und 1922, der die wichtigsten Stationen im Leben des preußischen Königs Friedrich II. (Bild rechts, ein GemĂ€lde von Anton Graff aus dem Jahre 1781) nacherzĂ€hlt. Unter der Regie von Arzen von CserĂ©py spielte Otto GebĂŒhr die Titelfigur, die die Rolle seines Lebens werden sollte. Die ersten beiden Teile wurden 1922, die letzten beiden 1923 uraufgefĂŒhrt. Fridericus Rex gilt als BegrĂŒnder der sogenannten Fridericus-Rex-Filme.

Contents

‱ Handlung
‱ Kritik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Handlung

Teil 1: Sturm und Drang

Im ersten Teil wird der jugendliche Kronprinz vorgestellt. Herausgestellt wird Friedrichs musisches Talent, das bei seinem strengen Vater, dem Markgrafen von Brandenburg und Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., auf wenig VerstĂ€ndnis stĂ¶ĂŸt. Rasch schĂ€lt sich ein harter Widerstreit zwischen Friedrichs Interessen und WĂŒnschen einerseits und den Erwartungen des Soldatenkönigs andererseits heraus, der seinen Sohn fĂŒr die kommenden Staatsaufgaben disziplinieren will. Es sind GegensĂ€tze, die sich nicht ĂŒberwinden lassen. Bald kommt es zum ZerwĂŒrfnis zwischen dem rigiden Vater und seinem freigeistigen Sohn, das in seiner Einkerkerung und in der Hinrichtung von Friedrichs bestem Freund Katte gipfelt.

Teil 2: Vater und Sohn

Kronprinz Friedrich, vom Vater im Fall Katte mittlerweile begnadigt, interessiert sich immer stĂ€rker fĂŒr die Musik, was zu einem andauernden Konflikt mit dem König fĂŒhrt. Der strenge Monarch versucht die Aufmerksamkeit des Kronprinzen, der ihm als Friedrich II. auf dem Thron folgen soll, ganz auf militĂ€rische und wirtschaftliche Belange zu lenken. Schließlich heiratet Friedrich eine Herzogstochter, Elisabeth-Christine von Braunschweig-Bevern. Als sein ungeliebter Vater 1740 stirbt, wird Friedrich König.

Teil 3: Sanssouci

Dieser Teil setzt die Lebensgeschichte Friedrichs als Monarch fort: In Potsdam lĂ€sst Fridericus Rex das Schloss Sanssouci errichten, das nach seiner Fertigstellung ein Ort des Geistes und der KĂŒnste werden soll. Als neuer König von Preußen versucht Friedrich, die Ideale seiner Jugendjahre in hohe Politik umzusetzen. Er veranlasst die Abschaffung der Folter und setzt die Freiheit des Glaubens durch. Er fördert die Kunst und knĂŒpft einen engen Kontakt zum französischen Philosophen Voltaire, den er zum Gedankenaustausch nach Sanssouci einlĂ€dt.

Teil 4: Schicksalswende

Der letzte Teil richtet sein Augenmerk ganz auf Friedrich als Schlachtenlenker und Kriegsherrn. Der jahrelange Konflikt mit Österreich, das sich schließlich mit Frankreich und Russland gegen Preußen verbĂŒndet, mĂŒndet 1756 im SiebenjĂ€hrigen Krieg, der beinah zur totalen Niederlage Friedrichs und der Zerschlagung Preußens fĂŒhrt. Die preußischen Truppen sind der Übermacht des Gegners hoffnungslos unterlegen, doch mit einer gewagten Finte des Königs kann der Gegner in der entscheidenden Schlacht von Leuthen besiegt werden. Aus Fridericus Rex wird im Laufe der Jahre Friedrich der Große und schließlich „Der alte Fritz“.

Hintergrund

Die Planung dieses Monumentalfilms, der den Untertitel Ein Königsschicksal trĂ€gt, datiert auf das Jahr 1920. Die Dreharbeiten fanden ĂŒberwiegend in den beiden darauf folgenden Jahren statt. Gedreht wurde im CserĂ©py-Atelier und im Jofa-Filmstudio in Berlin. Die Außendrehs fanden an den historischen StĂ€tten in Berlin-Charlottenburg, Potsdam und Rheinsberg statt. Die ersten beiden Teile des Films hatten ihre Premiere am 30. Januar 1922, Teil 3 und 4 am 19. MĂ€rz 1923. UrauffĂŒhrungsort war jeweils Berlins Ufa-Palast am Zoo.

Dank des großen Publikumserfolges dieser Tetralogie – Drehbuchautor Bobby E. LĂŒthge schwĂ€rmte noch drei Jahrzehnte spĂ€ter ĂŒber die Spieldauer: „Viereinhalb Monate im UFA-Palast“cite-ref-9[9] – wurde der „Alte Fritz“ fĂŒr Otto GebĂŒhr die Rolle seines Lebens. Doch nicht hier, sondern bereits ein Jahr zuvor spielte er den Preußenkönig zum ersten Mal, als ihm sein Kollege Paul Wegener diese Rolle in dem Anfang 1920 entstandenen Film Die TĂ€nzerin Barberina verschaffte, in dem Wegeners damalige Ehefrau Lyda Salmonova die Titelrolle verkörperte. Angesichts einer betrĂ€chtlichen Ähnlichkeit zwischen GebĂŒhr und Friedrich II., wie er auf dem legendĂ€ren Menzel-PortrĂ€t dargestellt wurde, entschied man sich, GebĂŒhr auch fĂŒr das von der UFA verliehene, vierteilige Friedrich-PortrĂ€t zu verpflichten.

Auch fĂŒr den aus Ungarn stammenden Regisseur CserĂ©py, dem der Schauspieler Wilhelm Prager als Regieassistent diente, bedeutete dieses aufwĂ€ndige Filmprojekt den Durchbruch. Obwohl aufgrund seiner Fridericus-Filme bei den Nationalsozialisten seit 1933 wohlgelitten, verließ CserĂ©py jedoch wenige Jahre spĂ€ter Deutschland und kehrte in die alte Heimat zurĂŒck.

Der Film entstand unter dem Eindruck des verlorenen Ersten Weltkriegs und sollte nicht nur das Bild des populĂ€rsten Monarchen der deutschen Geschichte verklĂ€ren, sondern den Patriotismus in dem von der Schmach der Niederlage und den nachfolgenden Revolutionswirren demoralisierten deutschen Volk neu entfachen. Diese Intention, deutsch-nationale GefĂŒhle wiederzuerwecken – vor allem der vierte Teil Schicksalswende „lĂ€sst sich als allegorischer Gegenentwurf zur Situation um 1918 verstehen“cite-ref-10[10] –, fĂŒhrte dazu, dass dieser vierteilige Historienbilderbogen sowohl das Publikum als auch die Kritik zutiefst spaltete: in glĂŒhende Bewunderer, die vor allem auf der Seite der politischen Rechten zu finden waren, und ebensolche VerĂ€chter auf der Seite der politischen Linken und der Pazifisten. „SPD und KPD riefen zum Boykott auf, weil sie ihn als Propaganda-Instrument der Rechten zu Gunsten der untergegangenen Monarchie ansahen, und oft kam es vor und in den Kinos zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.“cite-ref-11[11]

Die Filmbauten entwarfen Hans Dreier, der wenig spĂ€ter nach Hollywood auswanderte, und ErnƑ Metzner. Ebenfalls beteiligt waren die Szenenbildner Artur GĂŒnther, Willy Hesch und Hans Flemming. Carl Reiner schuf die KostĂŒme. Die Produktionsleitung aller vier Filme hatte Hans Neumann inne.

Jeder der vier Teile erhielt von der Zensur das PrĂ€dikat „volksbildend“. Dem letzten Teil lag Walter von Molos Roman Fridericus zugrunde.

Eine einteilige Fassung der ersten beiden Teile des Films passierte am 21. September 1925 die Zensur und kam wenig spÀter in die Kinos.

Kritik

Das Werk fand in allen vier Teilen bei der zeitgenössischen Filmkritik große Beachtung. AnlĂ€sslich der Fertigstellung des ersten Teils Ă€ußerte sich Fridericus Rex-Produktionsleiter Hans Neumann vorab im Oktober 1921 in der Lichtbild-BĂŒhne wie folgt:

„Bis zur Revolution war es unmöglich, eine Episode aus der Vergangenheit der Hohenzollern wahrheitsgetreu darzustellen. Jedes TheaterstĂŒck, in welchem der große König oder sonst ein Hohenzoller auftrat, wurde, wenn es keine absolute Verhimmelung der betreffenden Person darstellte, von der Zensur sofort unterdrĂŒckt und wenn man gar, wie wir es tun, das Schicksal des „Alten Fritz“ naturalistisch im Film gezeigt hĂ€tte – seine harte Jugend unter der Fuchtel des strengen Soldatenkönigs – die Katte-Episode – sein spĂ€teres Leben – sein Spielerschicksal mit dem ewigen Auf und Nieder in seinen Kriegen – auf der anderen Seite auch seine GenialitĂ€t – sein DraufgĂ€ngertum und seine Menschlichkeit, die sich verflucht wenig hinter der Titular „König“ versteckte, sondern nur aus der Kraft ihrer Persönlichkeit das Recht zur FĂŒhrung eines Volkes herleitete, in den Mittelpunkt des Films gestellt hĂ€tten, so hĂ€tten wir wahrscheinlich lange Jahre hindurch – wegen MajestĂ€tsbeleidigung – Zeit gehabt, hinter den schwedischen Gardinen neue Filmstoffe auszudenken. [
] Die „Fridericus Rex“-Filme werden das Schicksal eines genialen Menschen zeigen, der seiner Zeit in vieler Beziehung voraus war und unter dessen FĂŒhrung ein kleines Volk – allerdings unter ungeheuerlichen Opfern – sich zur Großmacht emporrang.“cite-ref-12[12]

Nach Ansicht der ersten beiden Teile schrieb Hans Wollenberg in der Lichtbild-BĂŒhne:

„Ad eins: Dieses Filmwerk ist eine kulturelle Leistung, weil Geschichte lebendig wird: weil eine versunkene Zeit in ihrem Ă€ußeren GeprĂ€ge, in ihrer Gedanken- und GefĂŒhlswelt vollkommen wiedererweckt wird, daß wir sie uns zu eigen machen können; daß uns die Gemeinsamkeiten und die Fremdheiten bewußt werden. Große Mittel, hingebende Studien waren dazu erforderlich. Dekorative regie-technische, photographische Aufgaben sind hierbei glĂ€nzend gelöst.

Ad zwei: Dieses Filmwerk ist eine geistig-sittliche Leistung. Nicht als ob es irgendwelche Tendenzen aufdrĂ€ngte, sondern weil seine Art Geschichte zu beleben, inneren Sinn hat, daher Beziehungen vom Einst zum Jetzt schafft und Erkenntnisse predigt. Menschlich-ewige Erkenntnisse, nicht tagespolitische! (Wer in diesem Glauben Beifall klatschte, tat, mißverstehend, dem Film unrecht; er spricht nicht fĂŒr Parteiprogramme, sondern fĂŒr eine allgĂŒltige Idee.)

Ad drei: Dieser Film ist eine kĂŒnstlerische Leistung. Denn aus Eins und Zwei schafft er eine dramatische Einheit. Nicht: Szenen aus dem Leben des jungen Fritz; nicht: Bilderbuch aus Preußens Werdetagen. Sondern: ein Drama. Ein Konflikt. Alt und jung. Vater und Sohn. Alles, was drum herum an Zeit- und Milieuschilderung, ist ErklĂ€rung, ErlĂ€uterung dieses dramatisch-psychologischen Nexus, der alles zusammenhĂ€lt und zu sich in Beziehung setzt. Dieses starke Manuskript schufen mit CserĂ©py Hans Behrendt und B. E. LĂŒthge.“cite-ref-13[13] Weiters lobte Wollenberg in Besonderem die darstellerischen Leistungen von GebĂŒhr und Albert SteinrĂŒck als sein Filmvater.

Im Film-Kurier hieß es am Tag nach der Premiere:

„Dieser Film ist in sich ein StĂŒck Weltgeschichte, er ĂŒberragt das engere Thema um unermeßliche Dimensionen. Er ist ein Wurf allergrĂ¶ĂŸten Stiles! Er ist eine Rechtfertigung der historischen Begebenheiten, ein Weg zur VerstĂ€ndigung und zum Verstehen, ein gewaltiges, ĂŒberzeugendes Dokument, mit dem Deutschland an die Pforten der anderen Völker pocht, mit dem Preußen-Deutschland folgenden einfachen, schlichten Gedanken ausspricht: Es gab eine Zeit, in der Preußen klein war, in der sich ein kleiner preußischer König kuschen mußte
 Und in dieser Zeit hat dieser geduckte König die Ohren steif gehalten, hat eine Armee geschaffen, um seiner kleinen Existenz willen. Und er glaubte einen Sohn zu haben, der das Werk seines Geistes mißachtete, der lieber die Flöte blies, als daß er das Werkzeug der Selbstbehauptung schĂ€tzte. Dieser Sohn brachte in die nĂŒchterne UtilitĂ€tswelt seines Vaters philosophische und literarische Belesenheit, er brachte frĂ€nkische KĂŒnste zu Ehren, er trug die EnzyklopĂ€die Frankreichs in den puren Zweckmilitarismus seiner preußischen Heimat. Und der Vater verkannte, wie VĂ€ter das oft tun, den Fortschritt, den er noch nicht brauchte, weil seine militĂ€rische Tat zu seiner Zeit hinreichender Fortschritt war. Er verkannte die neue Geistigkeit, aber doch erhob sich das Angefeindete: Die Einrichtungen der nationalen Notwehr blieben die Sicherung fĂŒr den nun anhebenden wissenschaftlichen Aufschwung, zwei Elemente verbrĂŒderten sich, gingen fortan Hand in Hand, und aus den Werken von Vater und Sohn ging der Geist Potsdam-Weimar hervor. [
] Über jeden Einwand erhaben ist die Darstellung des jungen Prinzen durch Otto GebĂŒhr: eine von unĂŒbertrefflichem Können dirigierte Leistung gibt er, und das in einer Maske, die geschichtliche Figur Fleisch und Blut werden lĂ€ĂŸt. Von eminenter Einschmiegung ist er in seinem Übergang vom widerspruchsvollen JĂŒngling zum jungen König, von eindringlicher Gewalt in der Erfassung des Charakteristischen der Person. Und neben ihm steht ein prachtvolles Ensemble, um seine Rolle zu tragen: zunĂ€chst Albert SteinrĂŒck als Friedrich Wilhelm I., derb und brutal als Soldatenkönig, weich in seinen vĂ€terlichen Regungen und zornig in seiner begrĂŒndeten EnttĂ€uschung ĂŒber den "Querpfeifer".“cite-ref-14[14]

Zu Teil 3 und 4 erschienen im MÀrz 1923 folgende EinschÀtzungen:

„Die beiden ersten Teile des "Fridericus"-Filmes haben – wenn ich mich darauf berufen darf – meinen Beifall in ungehemmtem Maße gefunden und das, weil diese beiden Teile gleichzeitig historisch und menschlich waren, das Menschliche also nicht im Historischen unterging, das Historische aber auch weder entstellt wurde (höchstens gemildert), noch ĂŒber dem ergreifenden Kern des Kampfes zwischen Vater und Sohn dominierte. [
] Die beiden abschließenden Teile "Sanssouci" und "Schicksalswende" jedoch lassen, wie mich dĂŒnkt, jenen architektonischen Aufbau vermissen, der den beiden ersten Episoden eigen ist. Zum großen Teil hat das seine Ursache im Stofflichen; Friedrich der Große war nun einmal ein Mann, dem Amourschaften wie Louis Quinze nicht anzuhĂ€ngen sind, der, wenn er auch Verse machte und bis in sein spĂ€teres Lebensalter Flöte blies, doch sein HauptgeschĂ€ft im Regieren sah. Und da der Krieg schließlich nur eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, so hatte Friedrich auch im Felde keine fĂŒr den Film geeignete Existenz zu bestehen. So kommt es denn, daß die Drehbuchverfasser Hans Behrendt und Arzen von CserĂ©py mit der Materie einen Strauß zu bestehen hatten, gegen den der SiebenjĂ€hrige Krieg fast ein Kinderspiel genannt werden muß.“cite-ref-15[15]

„Selten ist wohl ein Filmwerk so mißdeutet – und auch mißbraucht worden, wie dieser Film, den man sowohl als nationalistischen, wie auch als antimilitaristischen Tendenzfilm aufzuputschen beliebt hat, und den man jĂŒngst sogar in einigen recht amĂŒsanten AnkĂŒndigungen französischer und belgischer FachblĂ€tter im antideutschen Sinne auszuwerten versuchte. – In Wirklichkeit will dieser Film, der jetzt in seiner TotalitĂ€t vorliegt, nichts anderes sein, als ein großes historisches Filmwerk, und wenn es die Aufgabe eines historischen Films ist, eine Zeitepoche widerzuspiegeln, so kann man wohl sagen, dass dieser einer der besten historischen Filme ist, die je geschaffen wurden. [
] Der 4. Teil sollte, Ă€ußerlich, den Höhepunkt des ganzen StĂŒckes bringen: die Schlacht von Leuthen; und doch mußte auch hier trotz der sehr geschickten (wohl von geschulten MilitĂ€rs beratenen) Konstruktion der Schlacht, trotz der meisterhaften Beherrschung der Massenszenen durch CserĂ©py und Prager, diese sehr breit angelegte Darstellung letzten Endes etwas eintönig wirken. Von außerordentlich starker Wirkung ist dann wieder der Schlußakkord des Ganzen: das Dankgebet am Abend des großen Tages. FĂŒr die Darstellung hatte man eine kaum ĂŒbersehbare Menge von hervorragenden KrĂ€ften aufgeboten, die fast alle ihre Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit lösten. Otto GebĂŒhr hatte die von ihm geschaffene Fridericus-Gestalt noch vertieft und bot nicht nur in der Maske eine treffliche Charakterstudie des großen Königs.“cite-ref-16[16]

In den USA wurde der Filmvierteiler, der als eine Ode an Friedrich den Großen und seine Zeit konzipiert worden war, wegen seiner Militarismusverherrlichung im alten Preußentum als „gefĂ€hrlich“ eingestuft und in letzter Konsequenz auch noch missverstanden, da die Intention der Filmhersteller, eine scharfe Kritik am deutschen Militarismus seit dem Alten Fritz zu postulieren, als Möglichkeit in Betracht gezogen wurde. Am 25. Juni 1922 konnte man nach Ansicht der ersten beiden Teile zu diesem Komplex lesen:

„Es ist nicht die Geschichte der Geburt einer Nation, die dieser Film nacherzĂ€hlt, aber die Geschichte wie eine politische Idee mit Macht in eine vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen eingepflanzt wurde, die daraufhin, nachdem sie selbige komplett in sich aufgenommen hatte, ebendiese Idee der Gesamtheit des deutschen Volkes aufzwang. Die Autoren und Macher des Films möchten uns glauben machen, dass ihre Absichten die besten der Welt seien; dass dies ihre Haltung war, frei jedweder politischen Tendenzen. Wie auch immer es sein möge, der Film ist gefĂ€hrlich — nur gefĂ€hrlich fĂŒr den inneren Frieden Deutschlands, um sicher zu sein. Ausschließlich ein deutsches Publikum, gefĂŒttert und fett geworden in einer Tradition vom Militarismus und Knechtschaft, kann etwas bewundernswertes im Leben und in den Zeiten Friedrich Wilhelms finden. (...) Deutsche Propaganda? werden Sie sich fragen. Sollte dies so sein, dann ist es schlechte deutsche Propaganda und sehr stark fehlkalkuliert. Aus welchem Grunde sollte ein Amerikaner sich „Fridericus Rex“ anschauen, ohne dann zu befinden, wie unsinnig grausam und verwildert Friedrich Wilhelms Disziplinierungsmaßnahmen waren? Seine Haltung gegenĂŒber seinem Sohn unmenschlich? Die Behandlung von Frauen seinetwegen, die 
 einer Beleidigung aller Frauen im Ganzen gleichkommt ? Und seine Leidenschaft, MĂ€nner vor ihm paradieren zu sehen, in einem albernen Versuch, Pomp herzustellen, etwas anderes sein könnte als unbedeutend und absurd? Möglicherweise wurde „Fridericus Rex“ dazu bestimmt, die Grabkammer preußischen Militarismus, Snobismus und Grausamkeit zu werden. Lassen Sie uns hoffen, dass die deutschen Zuschauer diesen Geist in sich tragen werden, dass die Macher sagen, sie waren dabei gewesen, als dieses Ziel umgesetzt wurde.“

–

A. M. Emperle in der

New York Times

vom 25. Juni 1922

Die Filmkritik im nationalsozialistischen Deutschen Reich versuchte das nationale Moment von Fridericus Rex herauszustellen, im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umzuinterpretieren und zu instrumentalisieren und die einst heftige Kritik am Filmwerk durch politisch linke Kreise zu denunzieren. In „Vom Werden deutscher Filmkunst“ war 1935 zu lesen:

„Arzen von CserĂ©py hat den historischen Film „Fridericus Rex“ (1921/23) mit großer Ehrfurcht und Liebe, kĂŒnstlerischer Sorgfalt und meisterhaft technischem Können bearbeitet und inszeniert und damit in der dĂŒsteren Zeit des Systemdeutschlands eine vaterlĂ€ndische und kulturelle Tat vollbracht, die erstmalig klar und eindeutig die Berechtigung des historischen Films und vaterlĂ€ndischer Propaganda bewiesen hat. Die linksstehende Presse drohte ihm, „nicht ĂŒber den Alexanderplatz hinauskommen“ werde, weil „aus dem Plunder der KostĂŒme, aus den verstaubten PerĂŒcken und den Polstermöbeln der Museen zu stark die Monarchie stinkt und winkt.“ Die WĂ€chter der Novemberrevolution hatten Angst vor einem toten König! Das „Berliner Tageblatt“ rief nach dem PolizeibĂŒttel, „VorwĂ€rts“ und „Freiheit“ forderten die Massen zum Boykott des Films auf und wollten am liebsten Rauchs Reiterstatue des Alten Fritz von den „Linden“ entfernen. Einer der Mitautoren des Films, Hans Behrendt, aber prophezeite: „Ich bin ĂŒberzeugt, wenn die Welt schon lĂ€ngst nicht mehr von unseren KĂ€mpfen spricht, wenn es nicht mehr dies- oder jenseits des Alexanderplatz gibt, dann wird man immer noch von diesem Kerl, diesem DĂ€mon, diesem Friedrich reden, weil er als Persönlichkeit ĂŒber allen Parteien stand!“ [
] Otto GebĂŒhr hat durch eine geradezu geniale Inkarnation dem deutschen Volk seinen herrlichen König Friedrich II. von neuem lebendig gemacht und sich mit dieser Leistung, die lange unvergessen bleiben wird, ein schauspielerisches Verdienst erworben, das in der Geschichte der Film- und Schauspielkunst kaum Beispiele finden wird.“

–

Zit. nach Oskar Kalbus 1935

Die Nachkriegskritik beschĂ€ftigte sich nur noch selten mit dem Film. In der CserĂ©py-Biografie von Kay Wenigers Das große Personenlexikon des Films heißt es:

„‚Fridericus Rex‘ erzĂ€hlte in den einzelnen Episoden ‚Vater und Sohn‘, ‚Sturm und Drang‘, ‚Sanssouci‘ und ‚Schicksalswende‘ im unkritischen Bilderbogenstil die gesamte Vita des berĂŒhmtesten Preußenkönigs nach. Das Epos wurde von deutschnationalen und hyperpatriotischen Kreisen Ă€ußerst wohlwollend aufgenommen und setzte eine regelrechte Welle von Preußenfilmen in Gang, in denen der ‚Fridericus Rex‘-Darsteller Otto GebĂŒhr seinen Part, die Paraderolle seines Lebens, regelmĂ€ĂŸig wiederholte.“cite-ref-19[19] Im Eintrag GebĂŒhrs in demselben Werk ist ĂŒber Fridericus Rex zu lesen: „Das Ergebnis war ein wuchtiges, deutsch-nationales, pathetisches HistoriengemĂ€lde, historisch recht ungenau und voller Glorifizierungen.“cite-ref-20[20]

Der Spiegel hingegen erinnerte in seiner Ausgabe vom 25. Oktober 1950 auf Seite 27 daran, dass Regisseur CserĂ©py mit seinem Vierteiler ursprĂŒnglich keine politische Stellungnahme abzulegen gedachte:

„Mit geschicktem Steuern zwischen Patriotismus und Ablehnung der monarchistischen Ueberheblichkeit versuchte der Regisseur es allen recht zu machen. Da gab es eine Szene, die das gut verdeutlicht. Albert SteinrĂŒck als alter König lĂ€ĂŸt sich von der Wache melden. Die drei Soldaten stehen stramm. Da wird dem König schlecht, die Chargen bringen ihn ins Haus. Die drei Soldaten stehen stramm. Minutenlang. Bis dem König auf seinem Ruhebett einfĂ€llt: "Laßt doch die Kerle rĂŒhren!" Dazu die Presse: Von links bejubelte man die deutliche Art, in der CserĂ©py den Kadavergehorsam der friderizianischen Epoche anprangerte: "Als Skelette wĂŒrden die heute noch dastehen!" Von rechts freute man sich, daß endlich einmal wieder Zucht und Ordnung gezeigt wurde: "Bravo, das ist Disziplin!"“cite-ref-bei-der-ufa-21-0[21]

Doch, so ist weiter zu lesen, sei der Film rasch von reaktionĂ€ren KrĂ€ften fĂŒr die eigenen Ziele instrumentalisiert worden. An selber Stelle steht geschrieben: „CserĂ©py hatte seinen Film ungeheuer sorgfĂ€ltig vorbereitet. FĂŒr das historische Archiv war ein Mann geholt worden, der mit besonderer Sorgfalt die GeschichtsbĂŒcher studierte: Friedrich Sieburg. Er besorgte das Exerzierreglement, erforschte alle Einzelheiten der Preußenuniform und ĂŒberwachte den stilgetreuen Nachbau von Sanssouci. Die Ufa ĂŒbernahm den CserĂ©py-Film in ihren Verleih. Die Premiere im Ufa-Palast am Zoo wurde zu einem staatspolitischen Ereignis auffrisiert. Mit Reichswehruniformen, alten Haudegen-Gesichtern und Fahnenschmuck. Mit diesen Attributen wurde der Fridericus-Film in eine verhĂ€ngnisvolle Richtung gesteuert. Es ist nach fast dreißig Jahren schwer zu entscheiden, ob die Ufa wirklich den grĂ¶ĂŸeren Teil der Schuld daran trug, daß dieser Film als anti-demokratisches ZugstĂŒck erster Ordnung mißbraucht wurde.“cite-ref-bei-der-ufa-21-1[21]

Sammelbilder

Die Cigarettenfabrik Constantin mit Sitz in Hannover gab um 1926 ein ĂŒberwiegend illustriertes Doppel-Album heraus mit Zigarettenbildern zu den beiden UFA-Filmen Fridericus Rex und Wege zu Kraft und Schönheit. Besitzende Bibliothek ist das Deutsche Filminstitut mit Sitz in Frankfurt am Main.cite-ref-22[22]

Literatur

‱ Philipp Stiasny: Das Kino und der Krieg. Deutschland 1914–1929. edition text + kritik, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-86916-007-8 (Vgl. besonders Kapitel 4, Unterkapitel „Der Gegensatz zur Jetztzeit“. Fridericus Rex (1922/23). S. 339–369).

Weblinks

‱ Fridericus Rex, 1. Teil: Sturm und Drang in der Internet Movie Database (englisch)
‱ Fridericus Rex, 2. Teil: Vater und Sohn in der Internet Movie Database (englisch)
‱ Fridericus Rex, 3. Teil: Sanssouci in der Internet Movie Database (englisch)
‱ Fridericus Rex, 4. Teil: Schicksalswende in der Internet Movie Database (englisch)
‱ Sturm und Drang bei filmportal.de
‱ Vater und Sohn bei filmportal.de
‱ Sanssouci bei filmportal.de
‱ Schicksalswende bei filmportal.de
‱ Movie Unmasking of Fridericus Rex komplette Kritik in The New York Times vom 25. Juni 1922

Einzelnachweise

cite-note-11. Seeber unterstellt waren die Kameraleute Ernst LĂŒttgens, Reimar Kuntze und Friedrich Paulmann.
cite-note-22. Edthofer spielte Prinz Wilhelm in Sanssouci.
cite-note-33. MĂŒthel spielte Prinz Wilhelm in Schicksalswende.
cite-note-44. mit dieser Rolle in Schicksalswende.
cite-note-55. lt. IMDB mit dieser Rolle in Sturm und Drang, filmportal.de listet Straub ĂŒberhaupt nicht auf.
cite-note-66. mit dieser Rolle in Schicksalswende.
cite-note-77. George spielte lt. filmportal.de ebenfalls Prinz Karl von Lothringen in Schicksalswende. Lt. IMDB ĂŒbernahm er hingegen lediglich den Part des Grafen Neipperg in Sturm und Drang.
cite-note-88. alle Besetzungslisten nennen ihn fĂ€lschlicherweise „J. Gelsendorfer“.
cite-note-99. ↑ MilitĂ€rfilme: Mikosch und Graf Bobby. In: spiegel.de
cite-note-1010. ↑ Wiederentdeckt. In: Zeughaus Kino.
cite-note-1111. ↑ FĂŒhrerkult mit PerĂŒcke. In: Freitag.de
cite-note-1212. ↑ Lichtbild-BĂŒhne. Nr. 43, 22. Oktober 1921.
cite-note-1313. ↑ Lichtbild-BĂŒhne. Nr. 6, 4. Februar 1922.
cite-note-1414. ↑ Film-Kurier. Nr. 27, 31. Januar 1922.
cite-note-1515. ↑ Film-Kurier. Nr. 67, 20. MĂ€rz 1923.
cite-note-1616. ↑ Lichtbild-BĂŒhne. Nr. 12, 24. MĂ€rz 1923.
cite-note-179. Im Original: “It is not the story of the birth of a nation that this picture tells, but the story of how a political idea was forcibly planted in a comparatively small group of people, who then, in their turn, after they themselves had completely assimilated it, were to enforce this idea on the whole of the German people. The authors and the producers of the picture want us to believe that their intentions were the best in the world; that their attitude was and is free from any political bias. However that may be, the picture remains a dangerous one—dangerous to the internal peace of Germany only, to be sure. For none but a German audience, fed and grown fat on a tradition of militarism and serfdom, could find anything admirable in the life and times of Frederick William. (...) German propaganda? you will ask yourself. If it be that, it is bad German propaganda and very much miscalculated. For what American will be able to look at "Fridericus Rex" without finding Frederick William's discipline uselessly cruel and savage; his attitude toward his son inhuman; his treatment of the women about him 
 an insult to womanhood in general? And his passion for seeing a handful of men parade before him, together with the silly attempt at pomp, other than petty and absurd? Perhaps "Fridericus Rex" is destined to be the sepulchre of Prussian militarism, snobbishness and cruelty. Let us hope that to its German spectators it will carry the spirit that its producers say they have been guided by in its making.”
cite-note-1810. zit. nach Oskar Kalbus: Vom Werden deutscher Filmkunst. Teil 1: Der stumme Film. Cigaretten-Bilderdienst, Altona-Bahrenfeld 1935, S. 55.
cite-note-1919. ↑ Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, KostĂŒmbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 221.
cite-note-2020. ↑ Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, KostĂŒmbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 211.
cite-note-bei-der-ufa-2121. ↑ Bei der UFA machte man das so
 Kino – Das große TraumgeschĂ€ft. In: spiegel.de.
cite-note-2222. ↑ Vergleiche die Angaben im Karlsruher Virtuellen Katalog